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Preisträger*innen

Das war das KFFK / Kurzfilmfestival Köln N°10

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Von links nach rechts: Johannes Duncker, Christine Bernau, KFFK-Moderator Felix Schledde und Marita Quaas im Gespräch.

Vom 16. bis 20. November hat das KFFK N°10 mit zahlreichen Veranstaltungen die Leinwände der Stadt erobert. Den Startschuss setzen wir bei einem Jubiläumsprogramm im Filmforum NRW. Festivalleiter Johannes Duncker und die ehemalige Festivalleiterin Christine Bernau sowie KFFK-Gründerin Marita Quaas gaben nicht nur einen Einblick in die Historie des Festivals, auch wurde den Protagonist*innen dieser zehn Jahre die Ehre erwiesen: Das KFFK zeigte ausgewählte Kurzfilme aus den letzten Festivalausgaben, wie etwa Nicolas Steiners Ich bin’s Helmut.

Im Deutschen Wettbewerb holten wir in fünf Programmblöcken die 26 stärksten deutschen (Ko)produktionen aus fast 800 Einreichungen auf die große Leinwand, die um einen der heiß begehrten Preise antraten. So möchten wir an dieser Stelle den diesjährigen Preisträger*innen sehr herzlich gratulieren. Unsere Jury des Deutschen Wettbewerbs – bestehend aus Melanie Andernach (Vorstandsmitglied des Filmbüro NW, Gründerin der Produktionsfirma Made in Germany), Regina Barunke (Kunsthistorikerin, Leiterin der Temporary Gallery) und Rainer Knepperges (Mitbegründer des Filmclub 813, Herausgeber der Zeitschrift „Gdinetmao“, Filmemacher der „Kölner Gruppe“) – ehrte in diesem Jahr Kaputt von Volker Schlecht und Alexander Lahl mit dem ersten Preis der Kölner Filmproduzenten im Wert von 3’600€.

Der dokumentarische Animationsfilm – verortet im berüchtigsten Frauengefängnis der DDR, Hoheneck – lasse durch die Klarheit seiner assoziativen Illustrationen zu den Interviewaussagen der zwei ehemals inhaftierten Protagonistinnen eine Welt entstehen, in der Ausbeutung, Haftstrafe und Gewalt einen emotional bewegenden Eindruck von ihrem Leid erwecke – mehr als es möglicherweise reale Bilder vermocht hätten.

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Unsere Jury von links nach rechts: Regina Barunke, Melanie Andernach und Rainer Knepperges.

Der zweite Jurypreis im Wert von 750 € (gestiftet von Jameson Irish Whiskey) ging an die junge Filmemacherin Charlotte Funke für ihren Dokumentafilm Eric der Soldat.  Mit Hilfe klug gesetzter, reduzierter Bildsprache, wohl überlegter Inszenierung und vermeintlich spielerischer Gesprächsführung zeichne sie das überraschende Porträt eines deutschen Soldaten und somit die Skizze eines Dilemmas, die folgerichtig beunruhige. Ein Film, der herausfordert.

Über Druck von Sebastian Fred Schirmer und Sebastian Binder wurde indes mit dem dritten Jurypreis ausgezeichnet (1 Studiotag Colorgrading gestiftet von WeFadeToGrey).  Ein kluges und vielschichtiges Gesellschaftsbild präsentiere der Film, wenn er der Frage nachgehe: „Was ist Druck?“. Ein Film über ein beherrschendes Thema unserer Zeit, bei dem wir uns am Ende selbst die Frage stellen: „Wie lebe ich damit?“

Der Publikumspreis im Deutschen Wettbewerb ging in diesem Jahr an den Filmemacher Dieu Hao Do für  seinen Spielfilm At the end of the world

Außerdem gratulieren wir Brenda Lien, die mit ihrem Experimentalfilm Call of Beauty den Preis der WDR-Jury gewann sowie den niederländischen VR-Künstlern Mike von Rotz & Joost Jordens  zu der Auszeichnung mit dem Preis Future Spaces für ihren Film Transition.

Neben dem bundesweit ausgeschriebenen Wettbewerb warfen wir im Kölner Fenster wieder unseren Blick auf das filmische Schaffen der Filmschulen und freien Produktionen in Köln. In einer langen Filmnacht stellten wir in zwei Blöcken vielversprechende, aktuelle Kurzfilmproduktionen aus den Jahren 2015 und 2016 vor – bunt gemischte Arbeiten von Fiktionen und experimentellen Filmen bis hin zu Animationen. Im Kölner Fenster ehrte das Publikum Bilal Bahadir mit dem Publikumspreis für seinen Spielfilm Mein Freund der Deutsche, sowie Arkadij Khaet,  der mit seinem Spielfilm Durch den Vorhang den zweiten Publikumspreis gewann.

Seit 2013 zeigen wir in der Programmreihe New Aesthetic Filme, die neue Wege aufzeigen, unsere Welt zu sehen. Die gezeigten Werke beleuchten das Grenzfeld zwischen Kurzfilm, Netzkunst, interaktivem Erzählen und Games. Es sind Filme, die durch die Werkzeuge des digitalen Filmemachens selbst möglich geworden und Reflexionen unseres Lebens in der digitalen Welt sind. In diesem Jahr stand diese Sektion ganz im Zeichen der Beziehung zwischen Mensch und Maschine. Während New Aesthetic: Future Bodies die Frage „Was heißt es, Mensch zu sein?“ angesichts der ersten unter uns wandelnden Cyborgs neu verhandelte, stellte das Schwesterprogramm New Aesthetic: Future Minds Fragen wie: Was passiert, wenn künstliche Intelligenzen Einzug in unseren Alltag halten? Wie unterscheidbar werden kognitive Prozesse von Mensch und Maschine?

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Alan Warburton, Balthazar Auxiètre, Dr. Pablo Abend und Marta Di Francesco erforschen im Gespräch neue Wege der Narration.

Die Reihe New Aesthetic, das Panel zur Zukunft das Erzählens – moderiert von Dr. Pablo Abend von der Universität zu Köln -, der Workshop zur Projektentwicklung für künstlerisches Erzählen im Umfeld von Virtual Reality (im Rahmen von Carambolage, dem Weiterbildungsprogramm für den film- und medienkünstlerischen Nachwuchs in NRW) und der dazu korrespondierende Vortrag „Building living Stories with VR“ von VR-Künstler Balthazar Auxiètre (Innerspace VR) aus Paris brachten internationale Künstler*innen in Köln zusammen. So haben wir uns auch sehr gefreut, Marta Di Francesco und Alan Warburton aus London sowie Mike Pelletier und Arjan Brentjes aus den Niederlanden auf unserem Festival begrüßen zu dürfen.

Unser diesjähriges Spotlight widmete sich dem erst kürzlich verstorbenen iranischen Regisseur, Dichter, Fotografen und Drehbuchautoren Abbas Kiarostami (1940-2016) und zeigte ausgewählte Kurzfilme sowie zwei selten gezeigte Interviews. Grund zur Freude hatten wir außerdem, weil wir erstmalig in Deutschland die Sequenz The Horse aus  24 Frames before and after Lumiere zeigen konnten – dem letzten fertiggestellten Film Kiarostamis.

In gleich drei verschiedenen Programmblöcken zeigten wir in diesem Jahr in der sich als Publikumsliebling etablierten Reihe Best of Festivals internationale Preisträger*innen von Busan über Cannes und London bis nach Belo Horizonte und Palm Springs im Filmforum NRW und im Filmblub 813. In der Filmpalette nahmen in unserem Programm Fokus: Work, Work, Work eine Reihe internationaler Kurzfilme unterschiedliche soziale, politische und individuelle Perspektiven zu dem Thema „Arbeit“ ein.

Zum Gefühl des Glücks gesellte sich bisweilen während des Festivals eine Spur von Erleichterung. Dass der Kurzfilm so viele Menschen ins Kino lockt, ist auch für uns jedes Jahr aufs Neue etwas, was wir mit begeistertem Staunen willkommen heißen – zumal diese Kunstform jungen wie etablierten Filmemacher*innen als Experimentierfeld dient, in dem sie Grenzen austesten und manchmal zu unserer Freude auch ausreizen.

unspecified3Wir haben noch kein abgeklärtes Verhältnis zu dem, was diese fünf Tage mit uns und allen Freundinnen und Freundes des Festivals passiert – und dies wird hoffentlich so bleiben.Die Zuschauer*innenzahlen sind in diesem Jahr erneut um 10% gestiegen – Ziffern, die für ein junges Festival, wie es unseres ist, nicht nur rein statistische Werte sind, sondern ein Motor.

Wir werden weitermachen mit neuen Ideen und wachsen – mit der Hilfe aller, denen auch in diesem Jahr unser Dank dafür gehört, dass wir als Festival an unserem zehnjährigen Geburtstag ein gebührendes und ein so mannigfaltiges Film- und Rahmenprogramm auf die Beine stellen konnten. Wir bedanken uns sehr herzlich bei …

…unseren Förderinnen und Förderern von der Stadt Köln, der Filmstiftung NRW und dem Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport  des Landes NRW für ihr Vertrauen, das uns freie Hand für allerlei Experimente lässt.

… unseren Preisstifterinnen und Preisstiftern, die uns dabei helfen, dem Kurzfilm die Anerkennung und Wertschätzung zukommen zu lassen, die er verdient. In diesem Jahr konnten wir mit der Unterstützung von 2Pilots, bildundtonfabrik, eitelsonnenschein, Lichtblick Film, littleshark entertainment und Zeitsprung Pictures den ersten Jurypreis im Deutschen Wettbewerb auf 3.600 Euro erhöhen. Neben unseren Preisstifter*innen von Jameson Irish Whiskey, WeFadeToGrey, WDR, choices und Finder TV haben wir uns außerdem gefreut, Butterfilm erstmalig im Kreise der Kurzfilmliebhaber*innen begrüßen zu dürfen, ebenso über den in diesem Jahr ins Leben gerufene Preis für die stärkste Virtual-Reality-Produktion – gestiftet von der bildundtonfabrik.

… bei all unseren Unterstützer*innen, Sponsor*innen Kooperations- und Medienpartner*innen für die Zusammenarbeit! Mit Euch war so vieles möglich und einfach. Wir danken den Locations, die für 80 cinephile Fahrradfahrer*innen im Rahmen der Shorts on Wheels#5 ihre Türen öffneten und unser Festival in die unentdeckten Ecken der Stadt trugen.

…bei unseren mehr als 40 Filmemacherinnen und Filmemachern für ihren Besuch, ihre  großartigen Filme, die nicht nur die Filmpalette und den Filmclub 813, sondern auch das Filmforum NRW füllten. Wir danken für die bereichernden Gespräche und Begegnungen, für den Tanz und den ein oder anderen gemeinsam geschlürften Cocktail.

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