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Die Kino­dich­ter beim Kurz­film­fes­ti­val Köln

By 6. Dezember 2016No Comments

dsc03367-1200x7971Die Blog­ger Kino­dich­ter waren in die­sem Jahr erneut zu Gast beim KFFK / Kurz­film­fes­ti­val Köln und haben sich einen eige­nen Ein­blick in das Fes­ti­val und in das Film­pro­gramm verschafft. 

Wenn sich ein gespann­tes Getüm­mel im Foy­er des Film­fo­rums aus­brei­tet und frei­wil­li­ge Helfer*innen zu den Türen des Kino­saals stür­men, weil eine Grup­pe jun­ger Leu­te voll­be­packt mit Tech­nik früh­zei­tig hin­ein­strömt, dann wis­sen wir: Die Kino­dich­ter sind wie­der am Start!

Bereits im zwei­ten Jahr in Fol­ge beglei­te­te die jun­ge Trup­pe von Blogger*innen uns im Rah­men ihres Semi­nars an der Uni­ver­si­tät zu Köln durch das Fes­ti­val und schenk­te unse­ren Filmemacher*innen eine ganz beson­de­re Auf­merk­sam­keit. Sie spra­chen mit aus­ge­wähl­ten Regisseur*innen und ver­öf­fent­lich­ten die Vide­os online — ein­seh­bar in You­Tube, auf www.kinodichter.de und in Face­book.

Wie es dazu kam? Die Semi­nar­lei­te­rin ist unse­re Kol­le­gin Jen­ni­fer Jones, lang­jäh­ri­ges Mit­glied der Sich­tungs­kom­mis­si­on des Deut­schen Wett­be­werbs beim KFFK. Wer könn­te das Fes­ti­val also bes­ser kennen?

Es war uns eine Freude!

Hier gibt’s alle Interviews:

Die Fil­me­ma­cher Iring Frey­tag, Vik­tor Sti­ckel und Linus Stet­ter erzäh­len in ihrem Ani­ma­ti­ons­film Child die Geschich­te eines Kin­des, das sei­ne Hüt­te ver­las­sen muss, um nach Holz für das erlo­sche­ne Feu­er zu suchen. Die Suche nach dem geeig­ne­ten Holz wird zu einer Lebens­auf­ga­be. Johan­na Bern­hard von kinodichter.de sprach gemein­sam mit Iring Frey­tag über die Ent­ste­hung der Idee bis hin zur schluss­end­li­chen Ver­wirk­li­chung sei­nes lang­jäh­ri­gen Pro­jekts. Child war im drit­ten Wett­be­werbs­pro­gramm des dies­jäh­ri­gen Deut­schen Wett­be­werbs zu sehen:

Eben­so im drit­ten Wett­be­werbs­pro­gramm AUS DEM NICHTS zu sehen war der Spiel­film A Quiet Place des Fil­me­ma­chers Ron­ny Dörf­ler. Die Prot­ago­nis­tin Cris­ti­na wird bei ihrer Heim­kehr Zeu­gin, wie ihre klei­ne Schwes­ter Mari­na unter der har­ten Hand des Vaters lei­det. Statt taten­los zuzu­se­hen, for­dert Cris­ti­na ihren schein­bar über­mäch­ti­gen Vater her­aus. Gian­na Nie­mey­er von kinodichter.de sprach mit Ron­ny über sei­nen Kurz­film, Zwangs­pro­sti­tu­ti­on, sowie den gesell­schaft­li­chen Umgang mit dem The­ma. Außer­dem gibt der Fil­me­ma­cher einen Aus­blick auf sein aktu­el­les Projekt:

Für sei­nen Spiel­film At the End of the World gewann Fil­me­ma­cher Dieu Hao Do in die­sem Jahr den Publi­kums­preis im Deut­schen Wett­be­werb. Er erzählt, ver­or­tet in Hong Kong, von einer Lie­bes­ge­schich­te auf Zeit zwi­schen der  korea­ni­schen Anthro­po­lo­gie­stu­den­tin Luci­an­ne und dem deut­schen Stra­ßen­jun­gen Oswald. Die Kino­dich­ter haben vor­ab mit dem Fil­me­ma­cher gesprochen:

Eben­so hoch­span­nend ist das Inter­view mit dem deutsch-fran­zö­si­schen Künst­le­rin­nen­kol­lek­tiv Neo­zoon, das auch in die­sem Jahr mit sei­ner aktu­el­len Video­ar­beit in unse­rem Pro­gramm ver­tre­ten waren. Shake Shake Shake ist eine Anein­an­der­rei­hung von Bil­dern im Gra­phic Inter­chan­ge For­mat (Gif), auf denen sich Tro­phä­en­jä­ger nach erfolg­rei­cher Jagd gegen­sei­tig beglück­wün­schen.  Aus einem sub­ti­len Moment wird ein beun­ru­hi­gen­des Ritu­al, das die Ver­or­tung der Akteu­re in der afri­ka­ni­schen Land­schaft auf ein­dring­li­che Wei­se hin­ter­fragt. Die Kinodichter-Autor*innen Johan­na Bern­hard, Lisa Brink­mann und Vin­cent Kan­nen­gie­ßer spra­chen mit den Künstlerinnen:

Wie kam es zur Grün­dung des Kol­lek­tivs und war­um der Name Neozoon?

Als Neo­zoon wird ein Tier bezeich­net, wel­ches sich mit­hil­fe mensch­li­cher Ein­fluss­nah­me irgend­wo neu ansie­delt. Aus­gangs­punkt für die Grün­dung unse­re Grup­pe war immer das Inter­es­se am Mensch-Tier-Ver­hält­nis. 2009 haben wir ein Pro­jekt gestar­tet, in dem Tie­re aus alten Pelz­män­teln den öffent­li­chen Raum erobert haben. Aber der Name darf auch sinn­bild­lich gele­sen wer­den, letzt­lich geht es dar­um, den Dis­kurs über das Mensch-Tier-Ver­hält­nis anzuregen.

Sie sind mit Instal­la­tio­nen im öffent­li­chen Raum bekannt gewor­den. Seit 2011 sind Sie auch mit Kurz­fil­men im Inter­net unter­wegs – auch ein öffent­li­cher Raum. War­um nut­zen Sie ver­mehrt die­ses Medium?

Das Inter­net war für vie­le unse­rer Pro­jek­te hilf­reich: sei es als Ver­brei­tungs­me­di­um oder spä­ter auch als Werk­stoff­lie­fe­rant. Mit Found Foo­ta­ge zu arbei­ten bedeu­tet immer, mit Mate­ria­li­en umzu­ge­hen, die bereits eine Geschich­te haben und durch ihre Ver­gan­gen­heit auf­ge­la­den sind. Ob wir nun im öffent­li­chen Raum arbei­ten oder einen Film machen, ent­schei­det sich also vor allem auch durch das vor­han­de­ne Material.

Sie kön­nen die Kunst mit einem Klick ver­öf­fent­li­chen und müs­sen sie nicht mehr nachts im Gehei­men ver­brei­ten. Erscheint Ihnen Ihre Arbeit dadurch anders? 

Das ist natür­lich allein vom phy­si­schen Ein­satz ein völ­lig ande­rer Vor­gang – meist auch mit deut­lich weni­ger Adre­na­lin­kick. Der Ent­wick­lungs­pro­zess einer fil­mi­schen Arbeit ist oft auch deut­lich län­ger und man kann ent­spre­chend prä­zi­ser arbeiten.

Was für eine Rol­le spie­len Reich­wei­te und Anony­mi­tät im Inter­net für Ihre Kunst? 

Zu Beginn unse­rer Tätig­keit hat das eine gro­ße Rol­le gespielt, da es ja nicht legal ist, den öffent­li­chen Raum unge­fragt zu bespie­len. Dar­über hin­aus konn­te man auch lan­ge nach einer Akti­on im öffent­li­chen Raum noch Abbil­dun­gen davon im Netz fin­den – das hat natür­lich auch eine ent­schei­den­de Rol­le bei der Ver­brei­tung gespielt. Den geschütz­ten Kunst­raum zu ver­las­sen bedeu­tet für uns aber vor allem, dass man mehr als nur ein aus­ge­such­tes Kunst­pu­bli­kum erreicht.

Im Kurz­film Shake, Shake, Shake wer­den ani­mier­te Fotos von Tro­phä­en – Jägern gezeigt, die Hän­de schüt­teln. Was bedeu­tet die­se Ges­te für Sie?

Es han­delt sich um ein Ritu­al unter Jägern, wel­ches welt­weit ange­wen­det wird. Man beglück­wünscht sich gegen­sei­tig zum erleg­ten Tier. Vor dem Hin­ter­grund eines zuneh­men­den Bewusst­seins für die Bedro­hung vie­ler Tier­ar­ten hat das natür­lich bei der Groß­wild­jagd eine ganz beson­de­re Bri­sanz. Durch den Fokus auf eine schein­bar simp­le Ges­te in einem ansons­ten unbe­weg­ten Set­ting wird das Ritu­al in sei­ner Absur­di­tät her­vor­ge­ho­ben und öff­net den Raum für einen Perspektivwechsel.

Das The­ma der Jagd haben Sie bereits in meh­re­ren Kurz­fil­men ver­ar­bei­tet. Haben Sie einen beson­de­ren Bezug zum Jagen?

Wir unter­tei­len Tie­re im All­ge­mei­nen ja in drei Grup­pen: Haus­tie­re, Wild­tie­re und Nutz­tie­re. Die Jagd scheint uns dabei eine der ambi­va­len­tes­ten Mensch-Tier-Bezie­hun­gen zu sein, weil es einer­seits noch so etwas wie eine kol­lek­ti­ve, genui­ne Ver­eh­rung von wil­den Tie­ren gibt und gleich­zei­tig die­se Lust am Töten exis­tiert. Die­se eigen­ar­ti­ge Wider­sprüch­lich­keit inter­es­siert uns sehr und wir könn­ten noch etli­che Fil­me dar­über machen…

War­um bezeich­nen Sie sich sel­ber nicht als Tier­schutz­ak­ti­vis­tin­nen? Ist es Ihnen wich­tig, haupt­säch­lich als Künst­le­rin­nen gese­hen zu werden? 

Das eine schließt das ande­re nicht unbe­dingt aus – aber was man all­ge­mein als Tier­schutz bezeich­net, bewegt sich im Rah­men men­schen­ge­mach­ter Geset­ze und rich­tet sich des­halb auch immer nur nach den Bedürf­nis­sen des Men­schen. Die Mas­sen­tier­hal­tung ist des­halb z.B. per Gesetz geschützt. Sich die­sem The­ma künst­le­risch zu nähern ist eine gro­ße Her­aus­for­de­rung. Es eröff­net einer­seits völ­lig neue Spiel­räu­me und gleich­zei­tig muss man dar­auf ach­ten, nicht ein­di­men­sio­nal zu wer­den. Grund­sätz­lich sind wir der Mei­nung, dass Kunst ambi­va­lent blei­ben muss. Es geht uns also nicht um Kon­sens­fin­dung, son­dern zunächst ein­mal dar­um neue Denk­räu­me zu schaffen.

Sie ver­wen­den für Ihre Fil­me Found Foo­ta­ge, das sie zusam­men­stel­len. Ist das eine Form von Recy­cling oder war­um grei­fen Sie auf die­ses Mate­ri­al zurück? 

Found Foo­ta­ge zu nut­zen, ist natür­lich auch eine Art von Rey­cling, ganz ähn­lich also wie bei unse­ren Tie­ren aus alten Pelz­män­teln. War­um etwas neu pro­du­zie­ren, wenn es bereits mas­sen­haft vor­han­den ist? Aber es ist auch eine Her­aus­for­de­rung, auf die im Mate­ri­al vor­han­de­nen Infor­ma­tio­nen zu reagie­ren und damit zu arbei­ten, ganz anders als wenn man sel­ber dreht. Dar­über hin­aus reizt uns an Found Foo­ta­ge aber vor allem die Authentizität.

 

 

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