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Frames & Let­ters • Kurz­film­nacht mit Lesung in der Stadtbibliothek

By Allgemein, Kooperationen, AVA, Screening

Man­che Fil­me kann man lesen, man­che Tex­te sind so nah am fil­mi­schen Rea­lis­mus, dass die Bil­der nur so vor den Augen vor­bei­zie­hen. Sowohl Lite­ra­tur als auch Film erschaf­fen ein Abbild unse­rer Welt, das wir zu kon­ser­vie­ren ver­su­chen. Wir zei­gen Euch eine beson­de­re Kurz­film­nacht an einem Ort, an dem gesam­melt, archi­viert und dar­aus Neu­es geschaf­fen wird: Die Stadt­bi­blio­thek Köln. Und wir zei­gen Euch, was pas­siert, wenn sich bei­de Erzähl­for­men zusam­men­tun. Eva Mari­an­ne Kraiss liest dazu Tex­te aus der Weltliteratur.

A Pho­to­graph of Jesus
R: Lau­rie Hill, UK 2008, 7 min

/… flüs­si­ges Papier
R: Michel Klöf­korn, D 2010, 4 min

Rab­bit
R: Run Wra­ke, UK 2005, 9 min

Der bes­te Weg
R: Ange­li­ka Her­ta, D 2014, 10 min

The Waves
R: Mar­ta DiF­ran­ces­co, UK 2016, 3 min

What hap­pens in your brain, when you hear the ger­man word…? 5min
R: Zora Rux, D 2015, 5 min

The Day Befo­re the End
R: Lav Diaz, PH 2016, 17 min
flüssigers Papier Das Pro­gramm wird am Frei­tag, dem 19 Mai um 20 Uhr in der vier­ten Eta­ge (Medi­en­eta­ge) der Stadt­bi­blio­thek Köln gezeigt. Der Ein­tritt ist frei.

Event bei Face­book: https://www.facebook.com/events/1299957460053872/

In Koope­ra­ti­on mit der Stadt­bi­blio­thek Köln. Ein Scree­ning im Rah­men von AVA — Die Kurz­film­bi­blio­thek.

Shorts On Wheels beim Inter­na­tio­na­len Frau­en­film­fes­ti­val in Dortmund

By Allgemein, Shorts On Wheels, Kooperationen

Wir freu­en uns zum ers­ten Mal Shorts on Wheels außer­halb von Köln ver­an­stal­ten zu kön­nen. Zusam­men mit dem Inter­na­tio­na­len Frau­en­film­fes­ti­val brin­gen wir die Ver­an­stal­tung am 6. April im Rah­men des Frau­en­film­fes­ti­vals nach Dort­mund! Shorts on Wheels macht sich zum sechs­ten Mal Platz auf der Stra­ße und erobert die Stadt! Mit dem Fahr­rad, aus­ge­stat­tet mit Bea­mer, Sound- und Abspiel­an­la­ge, brin­gen wir Euch an auf­re­gen­de und span­nen­de Orte der Stadt und bespie­len deren Fas­sa­den mit unse­ren Filmen.

Wei­te­re Infos unter: http://shortsonwheels.com/ oder auf Face­book.

In Koope­ra­ti­on mit Inter­na­tio­na­les Frau­en­film­fes­ti­val & Pun­ta Velo – BUL­LITT Cargo­bikes im Ruhr­ge­biet & Velo­Kit­chen Dort­mund.

Make Our Shorts Gre­at Again!

By Allgemein

„Brau­chen wir eine Ober­gren­ze für Kat­zen­vi­de­os?“, woll­te eine deut­sche Zei­tung zu Hoch­zei­ten des Cat Con­tens wis­sen. Nicht in Ugan­da, denn da mag man lie­ber lus­ti­ge Vide­os von Zie­gen. Das World Wide Web ist voll­ge­stopft mit die­sem Zeug. Nichts gegen Kat­zen oder Zie­gen, aber habt Ihr im Inter­net schon­mal nach wirk­lich guten Kurz­fil­men gesucht? So mit Men­schen oder auch ohne, aber mit Ernst­haf­tig­keit oder eben nicht – ach Ihr wisst schon, was wir meinen!

Von den Hoch­schu­len und aus der frei­en Sze­ne kom­men jähr­lich unzäh­lig groß­ar­ti­ge und auf­wen­di­ge Kurz­film­pro­duk­tio­nen, über die sich an ers­ter Stel­le die Fes­ti­vals freu­en. Dann das Fes­ti­val­pu­bli­kum. Doch so ein Kurz­film hat selbst in unse­rer Welt eine schnel­le­re Ver­falls­dau­er als man­ches Lebens­mit­tel. Im Fern­seh­pro­gramm ist meist auch kein Platz und wenn, dann zu Nischen­zei­ten, zu denen man die Glot­ze schon längst aus­ge­macht haben will.  Also wohin mit all die­sen groß­ar­ti­gen Fil­men und Pro­gram­men? Ins Archiv? Ja, da hat sich schon gleich­sam eine meter­di­cke Staub­schicht ange­sam­melt. In Muse­en? Da ist fast aus­schließ­lich Raum für die expe­ri­men­tier­freu­di­gen. Eins steht fest: Sie lan­den sel­ten in der brei­ten Öffent­lich­keit, wo sie eigent­lich hin­ge­hö­ren. Denn Kurz­fil­me sind leben­dig, sie sind mutig. In weni­gen Minu­ten skiz­zie­ren sie unse­re Gesell­schaft. Uns. Lie­be, Ver­lust, Flucht, Gefan­gen­schaft – der Kurz­film kom­men­tiert und ana­ly­siert und das stets poin­tiert. Er ist inhalt­lich wie for­mal am Puls der Zeit. Er ist Expe­ri­men­tier­feld und Kon­stan­te zugleich im Schaf­fen von Künst­le­rin­nen und Künstlern.

Wir möch­ten nicht mehr, dass unse­re auf­wen­dig kura­tier­ten Pro­gram­me für immer und ewig von der Lein­wand und dem Bild­schirm ver­schwin­den. Dazu haben wir uns die Stadt­bi­blio­thek Köln für die Räum­lich­kei­ten und reel­port GmbH für die tech­ni­schen Fra­gen ins Boot geholt und die Kurz­film­bi­blio­thek AVA ins Leben geru­fen! Ab dem 10. März prä­sen­tie­ren wir mit Unter­stüt­zung des LVR und Crea­ti­ve Euro­pe  am Josef-Hau­brich-Hof an eigens dafür ein­ge­rich­te­ten Sich­tungs­plät­zen Kurz­fil­me der letz­ten zwei Fes­ti­va­ledi­tio­nen – völ­lig kos­ten­los für alle! Erfreut uns und die Filmemacher*innen mit Eurem Besuch, schaut Euch vom Deut­schen Wett­be­werb über Kin­der­fil­me bis hin zu the­ma­ti­schen Son­der­pro­gram­men eine Aus­wahl der stärks­ten und wich­tigs­ten Kurz­fil­me aus Deutsch­land und der Welt an. Wenn Euch lang­wei­lig wird, könnt Ihr dann ja wie­der ein Kat­zen­vi­deo gucken!

Die Kino­dich­ter beim Kurz­film­fes­ti­val Köln

By Allgemein, Festival, Interview, Kinodichter

dsc03367-1200x7971Die Blog­ger Kino­dich­ter waren in die­sem Jahr erneut zu Gast beim KFFK / Kurz­film­fes­ti­val Köln und haben sich einen eige­nen Ein­blick in das Fes­ti­val und in das Film­pro­gramm verschafft. 

Wenn sich ein gespann­tes Getüm­mel im Foy­er des Film­fo­rums aus­brei­tet und frei­wil­li­ge Helfer*innen zu den Türen des Kino­saals stür­men, weil eine Grup­pe jun­ger Leu­te voll­be­packt mit Tech­nik früh­zei­tig hin­ein­strömt, dann wis­sen wir: Die Kino­dich­ter sind wie­der am Start!

Bereits im zwei­ten Jahr in Fol­ge beglei­te­te die jun­ge Trup­pe von Blogger*innen uns im Rah­men ihres Semi­nars an der Uni­ver­si­tät zu Köln durch das Fes­ti­val und schenk­te unse­ren Filmemacher*innen eine ganz beson­de­re Auf­merk­sam­keit. Sie spra­chen mit aus­ge­wähl­ten Regisseur*innen und ver­öf­fent­lich­ten die Vide­os online — ein­seh­bar in You­Tube, auf www.kinodichter.de und in Face­book.

Wie es dazu kam? Die Semi­nar­lei­te­rin ist unse­re Kol­le­gin Jen­ni­fer Jones, lang­jäh­ri­ges Mit­glied der Sich­tungs­kom­mis­si­on des Deut­schen Wett­be­werbs beim KFFK. Wer könn­te das Fes­ti­val also bes­ser kennen?

Es war uns eine Freude!

Hier gibt’s alle Interviews:

Die Fil­me­ma­cher Iring Frey­tag, Vik­tor Sti­ckel und Linus Stet­ter erzäh­len in ihrem Ani­ma­ti­ons­film Child die Geschich­te eines Kin­des, das sei­ne Hüt­te ver­las­sen muss, um nach Holz für das erlo­sche­ne Feu­er zu suchen. Die Suche nach dem geeig­ne­ten Holz wird zu einer Lebens­auf­ga­be. Johan­na Bern­hard von kinodichter.de sprach gemein­sam mit Iring Frey­tag über die Ent­ste­hung der Idee bis hin zur schluss­end­li­chen Ver­wirk­li­chung sei­nes lang­jäh­ri­gen Pro­jekts. Child war im drit­ten Wett­be­werbs­pro­gramm des dies­jäh­ri­gen Deut­schen Wett­be­werbs zu sehen:

Eben­so im drit­ten Wett­be­werbs­pro­gramm AUS DEM NICHTS zu sehen war der Spiel­film A Quiet Place des Fil­me­ma­chers Ron­ny Dörf­ler. Die Prot­ago­nis­tin Cris­ti­na wird bei ihrer Heim­kehr Zeu­gin, wie ihre klei­ne Schwes­ter Mari­na unter der har­ten Hand des Vaters lei­det. Statt taten­los zuzu­se­hen, for­dert Cris­ti­na ihren schein­bar über­mäch­ti­gen Vater her­aus. Gian­na Nie­mey­er von kinodichter.de sprach mit Ron­ny über sei­nen Kurz­film, Zwangs­pro­sti­tu­ti­on, sowie den gesell­schaft­li­chen Umgang mit dem The­ma. Außer­dem gibt der Fil­me­ma­cher einen Aus­blick auf sein aktu­el­les Projekt:

Für sei­nen Spiel­film At the End of the World gewann Fil­me­ma­cher Dieu Hao Do in die­sem Jahr den Publi­kums­preis im Deut­schen Wett­be­werb. Er erzählt, ver­or­tet in Hong Kong, von einer Lie­bes­ge­schich­te auf Zeit zwi­schen der  korea­ni­schen Anthro­po­lo­gie­stu­den­tin Luci­an­ne und dem deut­schen Stra­ßen­jun­gen Oswald. Die Kino­dich­ter haben vor­ab mit dem Fil­me­ma­cher gesprochen:

Eben­so hoch­span­nend ist das Inter­view mit dem deutsch-fran­zö­si­schen Künst­le­rin­nen­kol­lek­tiv Neo­zoon, das auch in die­sem Jahr mit sei­ner aktu­el­len Video­ar­beit in unse­rem Pro­gramm ver­tre­ten waren. Shake Shake Shake ist eine Anein­an­der­rei­hung von Bil­dern im Gra­phic Inter­chan­ge For­mat (Gif), auf denen sich Tro­phä­en­jä­ger nach erfolg­rei­cher Jagd gegen­sei­tig beglück­wün­schen.  Aus einem sub­ti­len Moment wird ein beun­ru­hi­gen­des Ritu­al, das die Ver­or­tung der Akteu­re in der afri­ka­ni­schen Land­schaft auf ein­dring­li­che Wei­se hin­ter­fragt. Die Kinodichter-Autor*innen Johan­na Bern­hard, Lisa Brink­mann und Vin­cent Kan­nen­gie­ßer spra­chen mit den Künstlerinnen:

Wie kam es zur Grün­dung des Kol­lek­tivs und war­um der Name Neozoon?

Als Neo­zoon wird ein Tier bezeich­net, wel­ches sich mit­hil­fe mensch­li­cher Ein­fluss­nah­me irgend­wo neu ansie­delt. Aus­gangs­punkt für die Grün­dung unse­re Grup­pe war immer das Inter­es­se am Mensch-Tier-Ver­hält­nis. 2009 haben wir ein Pro­jekt gestar­tet, in dem Tie­re aus alten Pelz­män­teln den öffent­li­chen Raum erobert haben. Aber der Name darf auch sinn­bild­lich gele­sen wer­den, letzt­lich geht es dar­um, den Dis­kurs über das Mensch-Tier-Ver­hält­nis anzuregen.

Sie sind mit Instal­la­tio­nen im öffent­li­chen Raum bekannt gewor­den. Seit 2011 sind Sie auch mit Kurz­fil­men im Inter­net unter­wegs – auch ein öffent­li­cher Raum. War­um nut­zen Sie ver­mehrt die­ses Medium?

Das Inter­net war für vie­le unse­rer Pro­jek­te hilf­reich: sei es als Ver­brei­tungs­me­di­um oder spä­ter auch als Werk­stoff­lie­fe­rant. Mit Found Foo­ta­ge zu arbei­ten bedeu­tet immer, mit Mate­ria­li­en umzu­ge­hen, die bereits eine Geschich­te haben und durch ihre Ver­gan­gen­heit auf­ge­la­den sind. Ob wir nun im öffent­li­chen Raum arbei­ten oder einen Film machen, ent­schei­det sich also vor allem auch durch das vor­han­de­ne Material.

Sie kön­nen die Kunst mit einem Klick ver­öf­fent­li­chen und müs­sen sie nicht mehr nachts im Gehei­men ver­brei­ten. Erscheint Ihnen Ihre Arbeit dadurch anders? 

Das ist natür­lich allein vom phy­si­schen Ein­satz ein völ­lig ande­rer Vor­gang – meist auch mit deut­lich weni­ger Adre­na­lin­kick. Der Ent­wick­lungs­pro­zess einer fil­mi­schen Arbeit ist oft auch deut­lich län­ger und man kann ent­spre­chend prä­zi­ser arbeiten.

Was für eine Rol­le spie­len Reich­wei­te und Anony­mi­tät im Inter­net für Ihre Kunst? 

Zu Beginn unse­rer Tätig­keit hat das eine gro­ße Rol­le gespielt, da es ja nicht legal ist, den öffent­li­chen Raum unge­fragt zu bespie­len. Dar­über hin­aus konn­te man auch lan­ge nach einer Akti­on im öffent­li­chen Raum noch Abbil­dun­gen davon im Netz fin­den – das hat natür­lich auch eine ent­schei­den­de Rol­le bei der Ver­brei­tung gespielt. Den geschütz­ten Kunst­raum zu ver­las­sen bedeu­tet für uns aber vor allem, dass man mehr als nur ein aus­ge­such­tes Kunst­pu­bli­kum erreicht.

Im Kurz­film Shake, Shake, Shake wer­den ani­mier­te Fotos von Tro­phä­en – Jägern gezeigt, die Hän­de schüt­teln. Was bedeu­tet die­se Ges­te für Sie?

Es han­delt sich um ein Ritu­al unter Jägern, wel­ches welt­weit ange­wen­det wird. Man beglück­wünscht sich gegen­sei­tig zum erleg­ten Tier. Vor dem Hin­ter­grund eines zuneh­men­den Bewusst­seins für die Bedro­hung vie­ler Tier­ar­ten hat das natür­lich bei der Groß­wild­jagd eine ganz beson­de­re Bri­sanz. Durch den Fokus auf eine schein­bar simp­le Ges­te in einem ansons­ten unbe­weg­ten Set­ting wird das Ritu­al in sei­ner Absur­di­tät her­vor­ge­ho­ben und öff­net den Raum für einen Perspektivwechsel.

Das The­ma der Jagd haben Sie bereits in meh­re­ren Kurz­fil­men ver­ar­bei­tet. Haben Sie einen beson­de­ren Bezug zum Jagen?

Wir unter­tei­len Tie­re im All­ge­mei­nen ja in drei Grup­pen: Haus­tie­re, Wild­tie­re und Nutz­tie­re. Die Jagd scheint uns dabei eine der ambi­va­len­tes­ten Mensch-Tier-Bezie­hun­gen zu sein, weil es einer­seits noch so etwas wie eine kol­lek­ti­ve, genui­ne Ver­eh­rung von wil­den Tie­ren gibt und gleich­zei­tig die­se Lust am Töten exis­tiert. Die­se eigen­ar­ti­ge Wider­sprüch­lich­keit inter­es­siert uns sehr und wir könn­ten noch etli­che Fil­me dar­über machen…

War­um bezeich­nen Sie sich sel­ber nicht als Tier­schutz­ak­ti­vis­tin­nen? Ist es Ihnen wich­tig, haupt­säch­lich als Künst­le­rin­nen gese­hen zu werden? 

Das eine schließt das ande­re nicht unbe­dingt aus – aber was man all­ge­mein als Tier­schutz bezeich­net, bewegt sich im Rah­men men­schen­ge­mach­ter Geset­ze und rich­tet sich des­halb auch immer nur nach den Bedürf­nis­sen des Men­schen. Die Mas­sen­tier­hal­tung ist des­halb z.B. per Gesetz geschützt. Sich die­sem The­ma künst­le­risch zu nähern ist eine gro­ße Her­aus­for­de­rung. Es eröff­net einer­seits völ­lig neue Spiel­räu­me und gleich­zei­tig muss man dar­auf ach­ten, nicht ein­di­men­sio­nal zu wer­den. Grund­sätz­lich sind wir der Mei­nung, dass Kunst ambi­va­lent blei­ben muss. Es geht uns also nicht um Kon­sens­fin­dung, son­dern zunächst ein­mal dar­um neue Denk­räu­me zu schaffen.

Sie ver­wen­den für Ihre Fil­me Found Foo­ta­ge, das sie zusam­men­stel­len. Ist das eine Form von Recy­cling oder war­um grei­fen Sie auf die­ses Mate­ri­al zurück? 

Found Foo­ta­ge zu nut­zen, ist natür­lich auch eine Art von Rey­cling, ganz ähn­lich also wie bei unse­ren Tie­ren aus alten Pelz­män­teln. War­um etwas neu pro­du­zie­ren, wenn es bereits mas­sen­haft vor­han­den ist? Aber es ist auch eine Her­aus­for­de­rung, auf die im Mate­ri­al vor­han­de­nen Infor­ma­tio­nen zu reagie­ren und damit zu arbei­ten, ganz anders als wenn man sel­ber dreht. Dar­über hin­aus reizt uns an Found Foo­ta­ge aber vor allem die Authentizität.

 

 

Das war das KFFK / Kurz­film­fes­ti­val Köln N°10

By Allgemein, Festival, Preisträger*innen
eroeffnung

Von links nach rechts: Johan­nes Duncker, Chris­ti­ne Ber­nau, KFFK-Mode­ra­tor Felix Schled­de und Mari­ta Quaas im Gespräch.

Vom 16. bis 20. Novem­ber hat das KFFK N°10 mit zahl­rei­chen Ver­an­stal­tun­gen die Lein­wän­de der Stadt erobert. Den Start­schuss set­zen wir bei einem Jubi­lä­ums­pro­gramm im Film­fo­rum NRW. Fes­ti­val­lei­ter Johan­nes Duncker und die ehe­malige Fes­ti­val­lei­te­rin Chris­ti­ne Ber­nau sowie KFFK-Grün­de­rin Mari­ta Quaas gaben nicht nur einen Ein­blick in die His­to­rie des Fes­ti­vals, auch wur­de den Protagonist*innen die­ser zehn Jah­re die Ehre erwie­sen: Das KFFK zeig­te aus­ge­wähl­te Kurz­fil­me aus den letz­ten Fes­ti­val­aus­ga­ben, wie etwa Nico­las Stei­ners Ich bin’s Hel­mut.

Im Deut­schen Wett­be­werb hol­ten wir in fünf Pro­gramm­blö­cken die 26 stärks­ten deut­schen (Ko)produktionen aus fast 800 Ein­rei­chun­gen auf die gro­ße Lein­wand, die um einen der heiß begehr­ten Prei­se antra­ten. So möch­ten wir an die­ser Stel­le den dies­jäh­ri­gen Preisträger*innen sehr herz­lich gra­tu­lie­ren. Unse­re Jury des Deut­schen Wett­be­werbs — bestehend aus Mela­nie Ander­nach (Vor­stands­mit­glied des Film­bü­ro NW, Grün­de­rin der Pro­duk­ti­ons­fir­ma Made in Ger­ma­ny), Regi­na Barun­ke (Kunst­his­to­ri­ke­rin, Lei­te­rin der Tem­pora­ry Gal­le­ry) und Rai­ner Knep­per­ges (Mit­be­grün­der des Film­club 813, Her­aus­ge­ber der Zeit­schrift “Gdi­net­mao”, Fil­me­ma­cher der “Köl­ner Grup­pe”) — ehr­te in die­sem Jahr Kaputt von Vol­ker Schlecht und Alex­an­der Lahl mit dem ers­ten Preis der Köl­ner Film­pro­du­zen­ten im Wert von 3’600€.

Der doku­men­ta­ri­sche Ani­ma­ti­ons­film — ver­or­tet im berüch­tigs­ten Frau­en­gefäng­nis der DDR, Hohen­eck — las­se durch die Klar­heit sei­ner asso­zia­ti­ven Illus­tra­tio­nen zu den Inter­view­aus­sa­gen der zwei ehe­mals inhaf­tier­ten Prot­ago­nis­tin­nen eine Welt ent­ste­hen, in der Aus­beu­tung, Haft­stra­fe und Gewalt einen emo­tio­nal bewe­gen­den Ein­druck von ihrem Leid erwe­cke — mehr als es mög­li­cher­wei­se rea­le Bil­der ver­mocht hätten.

jury

Unse­re Jury von links nach rechts: Regi­na Barun­ke, Mela­nie Ander­nach und Rai­ner Knepperges.

Der zwei­te Jury­preis im Wert von 750 € (gestif­tet von Jame­son Irish Whis­key) ging an die jun­ge Fil­me­ma­che­rin Char­lot­te Fun­ke für ihren Doku­men­ta­film Eric der Sol­dat.  Mit Hil­fe klug gesetz­ter, redu­zier­ter Bild­spra­che, wohl über­leg­ter Insze­nie­rung und ver­meint­lich spie­le­ri­scher Gesprächs­füh­rung zeich­ne sie das über­ra­schen­de Por­trät eines deut­schen Sol­da­ten und somit die Skiz­ze eines Dilem­mas, die fol­ge­rich­tig beun­ru­hi­ge. Ein Film, der herausfordert.

Über Druck von Sebas­ti­an Fred Schir­mer und Sebas­ti­an Bin­der wur­de indes mit dem drit­ten Jury­preis aus­ge­zeich­net (1 Stu­dio­tag Color­gra­ding gestif­tet von WeF­a­de­To­Grey).  Ein klu­ges und viel­schich­ti­ges Gesell­schafts­bild prä­sen­tie­re der Film, wenn er der Fra­ge nach­ge­he: “Was ist Druck?”. Ein Film über ein beherr­schen­des The­ma unse­rer Zeit, bei dem wir uns am Ende selbst die Fra­ge stel­len: “Wie lebe ich damit?”

Der Publi­kums­preis im Deut­schen Wett­be­werb ging in die­sem Jahr an den Fil­me­ma­cher Dieu Hao Do für  sei­nen Spiel­film At the end of the world

Außer­dem gra­tu­lie­ren wir Bren­da Lien, die mit ihrem Expe­ri­men­tal­film Call of Beau­ty den Preis der WDR-Jury gewann sowie den nie­der­län­di­schen VR-Künst­lern Mike von Rotz & Joost Jor­dens  zu der Aus­zeich­nung mit dem Preis Future Spaces für ihren Film Tran­si­ti­on.

Neben dem bun­des­weit aus­ge­schrie­be­nen Wett­be­werb war­fen wir im Köl­ner Fens­ter wie­der unse­ren Blick auf das fil­mi­sche Schaf­fen der Film­schu­len und frei­en Pro­duk­tio­nen in Köln. In einer lan­gen Film­nacht stell­ten wir in zwei Blö­cken viel­ver­spre­chen­de, aktu­el­le Kurz­film­pro­duk­tio­nen aus den Jah­ren 2015 und 2016 vor — bunt gemisch­te Arbei­ten von Fik­tio­nen und expe­ri­men­tel­len Fil­men bis hin zu Ani­ma­tio­nen. Im Köl­ner Fens­ter ehr­te das Publi­kum Bil­al Baha­dir mit dem Publi­kums­preis für sei­nen Spiel­film Mein Freund der Deut­sche, sowie Arka­dij Kha­et,  der mit sei­nem Spiel­film Durch den Vor­hang den zwei­ten Publi­kums­preis gewann.

Seit 2013 zei­gen wir in der Pro­gramm­rei­he New Aes­the­tic Fil­me, die neue Wege auf­zei­gen, unse­re Welt zu sehen. Die gezeig­ten Wer­ke beleuch­ten das Grenz­feld zwi­schen Kurz­film, Netz­kunst, inter­ak­ti­vem Erzäh­len und Games. Es sind Fil­me, die durch die Werk­zeu­ge des digi­ta­len Fil­me­ma­chens selbst mög­lich gewor­den und Refle­xio­nen unse­res Lebens in der digi­ta­len Welt sind. In die­sem Jahr stand die­se Sek­ti­on ganz im Zei­chen der Bezie­hung zwi­schen Mensch und Maschi­ne. Wäh­rend New Aes­the­tic: Future Bodies die Fra­ge “Was heißt es, Mensch zu sein?” ange­sichts der ers­ten unter uns wan­deln­den Cyborgs neu ver­han­del­te, stell­te das Schwes­ter­pro­gramm New Aes­the­tic: Future Minds Fra­gen wie: Was pas­siert, wenn künst­li­che Intel­li­gen­zen Ein­zug in unse­ren All­tag hal­ten? Wie unter­scheid­bar wer­den kogni­ti­ve Pro­zes­se von Mensch und Maschine?

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Alan War­bur­ton, Balt­ha­zar Auxièt­re, Dr. Pablo Abend und Mar­ta Di Fran­ces­co erfor­schen im Gespräch neue Wege der Narration.

Die Rei­he New Aes­the­tic, das Panel zur Zukunft das Erzäh­lens — mode­riert von Dr. Pablo Abend von der Uni­ver­si­tät zu Köln -, der Work­shop zur Pro­jekt­ent­wick­lung für künst­le­ri­sches Erzäh­len im Umfeld von Vir­tu­al Rea­li­ty (im Rah­men von Caram­bo­la­ge, dem Wei­ter­bil­dungs­pro­gramm für den film- und medi­en­künst­le­ri­schen Nach­wuchs in NRW) und der dazu kor­re­spon­die­ren­de Vor­trag “Buil­ding living Sto­ries with VR” von VR-Künst­ler Balt­ha­zar Auxièt­re (Inner­space VR) aus Paris brach­ten inter­na­tio­na­le Künstler*innen in Köln zusam­men. So haben wir uns auch sehr gefreut, Mar­ta Di Fran­ces­co und Alan War­bur­ton aus Lon­don sowie Mike Pel­le­tier und Arjan Brent­jes aus den Nie­der­lan­den auf unse­rem Fes­ti­val begrü­ßen zu dürfen.

Unser dies­jäh­ri­ges Spot­light wid­me­te sich dem erst kürz­lich ver­stor­be­nen ira­ni­schen Regis­seur, Dich­ter, Foto­gra­fen und Dreh­buch­au­toren Abbas Kiaros­t­ami (1940–2016) und zeig­te aus­ge­wähl­te Kurz­fil­me sowie zwei sel­ten gezeig­te Inter­views. Grund zur Freu­de hat­ten wir außer­dem, weil wir erst­ma­lig in Deutsch­land die Sequenz The Hor­se aus  24 Frames befo­re and after Lumie­re zei­gen konn­ten — dem letz­ten fer­tig­ge­stell­ten Film Kiarostamis.

In gleich drei ver­schie­de­nen Pro­gramm­blö­cken zeig­ten wir in die­sem Jahr in der sich als Publi­kums­lieb­ling eta­blier­ten Rei­he Best of Fes­ti­vals inter­na­tio­na­le Preisträger*innen von Busan über Can­nes und Lon­don bis nach Belo Hori­zon­te und Palm Springs im Film­fo­rum NRW und im Film­blub 813. In der Film­pa­let­te nah­men in unse­rem Pro­gramm Fokus: Work, Work, Work eine Rei­he inter­na­tio­na­ler Kurz­fil­me unter­schied­li­che sozia­le, poli­ti­sche und indi­vi­du­el­le Per­spek­ti­ven zu dem The­ma “Arbeit” ein.

Zum Gefühl des Glücks gesell­te sich bis­wei­len wäh­rend des Fes­ti­vals eine Spur von Erleich­te­rung. Dass der Kurz­film so vie­le Men­schen ins Kino lockt, ist auch für uns jedes Jahr aufs Neue etwas, was wir mit begeis­ter­tem Stau­nen will­kom­men hei­ßen – zumal die­se Kunst­form jun­gen wie eta­blier­ten Filmemacher*innen als Expe­ri­men­tier­feld dient, in dem sie Gren­zen aus­tes­ten und manch­mal zu unse­rer Freu­de auch ausreizen.

unspecified3Wir haben noch kein abge­klär­tes Ver­hält­nis zu dem, was die­se fünf Tage mit uns und allen Freun­din­nen und Freun­des des Fes­ti­vals pas­siert — und dies wird hof­fent­lich so blei­ben.Die Zuschauer*innenzahlen sind in die­sem Jahr erneut um 10% gestie­gen – Zif­fern, die für ein jun­ges Fes­ti­val, wie es unse­res ist, nicht nur rein sta­tis­ti­sche Wer­te sind, son­dern ein Motor. 

Wir wer­den wei­ter­ma­chen mit neu­en Ideen und wach­sen – mit der Hil­fe aller, denen auch in die­sem Jahr unser Dank dafür gehört, dass wir als Fes­ti­val an unse­rem zehn­jäh­ri­gen Geburts­tag ein gebüh­ren­des und ein so man­nig­fal­ti­ges Film- und Rah­men­pro­gramm auf die Bei­ne stel­len konn­ten. Wir bedan­ken uns sehr herz­lich bei …

…unse­ren För­de­rin­nen und För­de­rern von der Stadt Köln, der Film­stif­tung NRW und dem Minis­te­ri­um für Fami­lie, Kin­der, Jugend, Kul­tur und Sport  des Lan­des NRW für ihr Ver­trau­en, das uns freie Hand für aller­lei Expe­ri­men­te lässt.

… unse­ren Preisstif­te­rin­nen und Preisstif­tern, die uns dabei hel­fen, dem Kurz­film die Aner­ken­nung und Wert­schät­zung zukom­men zu las­sen, die er ver­dient. In die­sem Jahr konn­ten wir mit der Unter­stüt­zung von 2Pilots, bild­und­ton­fa­brik, eitel­son­nen­schein, Licht­blick Film, litt­le­shark enter­tain­ment und Zeit­sprung Pic­tures den ers­ten Jury­preis im Deut­schen Wett­be­werb auf 3.600 Euro erhö­hen. Neben unse­ren Preisstifter*innen von Jame­son Irish Whis­key, WeF­a­de­To­Grey, WDR, choices und Fin­der TV haben wir uns außer­dem gefreut, But­ter­film erst­ma­lig im Krei­se der Kurzfilmliebhaber*innen begrü­ßen zu dür­fen, eben­so über den in die­sem Jahr ins Leben geru­fe­ne Preis für die stärks­te Vir­tu­al-Rea­li­ty-Pro­duk­ti­on — gestif­tet von der bildundtonfabrik.

… bei all unse­ren Unterstützer*innen, Sponsor*innen Koope­ra­ti­ons- und Medienpartner*innen für die Zusam­men­ar­beit! Mit Euch war so vie­les mög­lich und ein­fach. Wir dan­ken den Loca­ti­ons, die für 80 cine­phi­le Fahrradfahrer*innen im Rah­men der Shorts on Wheels#5 ihre Türen öff­ne­ten und unser Fes­ti­val in die unent­deck­ten Ecken der Stadt trugen.

…bei unse­ren mehr als 40 Fil­me­ma­che­rin­nen und Fil­me­ma­chern für ihren Besuch, ihre  groß­ar­ti­gen Fil­me, die nicht nur die Film­pa­let­te und den Film­club 813, son­dern auch das Film­fo­rum NRW füll­ten. Wir dan­ken für die berei­chern­den Gesprä­che und Begeg­nun­gen, für den Tanz und den ein oder ande­ren gemein­sam geschlürf­ten Cocktail.

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“Die Neu­gier und der unbe­ding­te Glau­be an die Kunst sind in der Köl­ner Sze­ne allgegenwärtig”

By Festival, Interview, Preisstifter*innen, Filmszene

Wir haben den Spieß mal umge­dreht und mit choices, dem Kul­tur- und Kino­ma­ga­zin, über gro­ße Momen­te im Kino, Stär­ken und Schwä­chen der Köl­ner Kul­tur­sze­ne und selbst­ver­ständ­lich über unser Fes­ti­val gespro­chen. Pro­jekt­lei­ter Rüdi­ger Schmidt-Sodin­gen beant­wor­te­te unse­re Fragen. 

KFFK: Wie groß ist das choices-Team und die Film­re­dak­ti­on? Und war das Heft eigent­lich schon immer kostenlos?
Schmidt-Sodin­gen: Für choices arbei­ten gut 20 Autorin­nen und Autoren, die Film­re­dak­ti­on umfasst 10 Kri­ti­ke­rIn­nen. Das Heft wur­de 1989 vom kürz­lich ver­stor­be­nen Kino­ma­cher Heinz Holz­ap­fel, Peter Debü­ser, Stadt­gar­ten-Grün­der Rei­ner Mich­al­ke und Joa­chim Berndt gegrün­det. Und es war schon immer kos­ten­los! Es soll­te ja so etwas wie das Köl­ner Pen­dant zur New Yor­ker Vil­la­ge Voice sein, deren Innen­teil ja „choices“ heißt.

Über 45 kur­ze und lan­ge Film­kri­ti­ken in einer Aus­ga­be — von den gan­zen Kon­zert­kri­ti­ken und Vor­schau­en ganz zu schwei­gen. Wie bekommt ihr das eigent­lich gestemmt?
Die Film­starts wer­den von Jahr zu Jahr mehr – und damit wird es auch immer schwie­ri­ger, wirk­lich alle Fil­me zu spie­geln und zu bespre­chen. Wir geben da aber unser bes­tes. Und kurz vor Druck­ter­min wird es natür­lich oft hek­tisch, da eini­ge Fil­me plötz­lich doch noch in Köln star­ten, Film­an­zei­gen dazu kom­men oder ähnliches.

Ist die Kul­tur­sze­ne Kölns über­haupt so viel­fäl­tig, dass sie Monat für Monat über 60 Sei­ten fül­len kann?
Auf jeden Fall! Allein die Kino- und Thea­ter­sze­ne bie­tet so vie­le span­nen­de Ange­bo­te, dass man täg­lich zu fünf oder sechs Ter­mi­nen gehen könn­te. Köln war ja schon immer eine offe­ne Stadt. Es gibt also täg­lich auch vie­le Ange­bo­te jun­ger, neu­er Künst­ler, die sich hier auf klei­nen Büh­nen aus­pro­bie­ren oder ihre Fil­me vor­stel­len. Die­se Neu­gier auf Neu­es und Ande­res macht Köln zu einer ech­ten Kulturstadt.

Wo hat die Köl­ner Kul­tur­sze­ne denn Stär­ken und wo hat sie Schwächen?
Die Neu­gier und der unbe­ding­te Glau­be an die Kunst sind in der Köl­ner Sze­ne all­ge­gen­wär­tig. Und wir haben hier eine ein­zig­ar­ti­ge Viel­falt von Mache­rIn­nen und Betrei­be­rIn­nen. Schwä­chen sehe ich höchs­tens in der Außen­dar­stel­lung. Da macht man sich mit­un­ter klei­ner, als man ist. Oder man über­sieht eini­ges, was längst da ist. Ich wer­de bei­spiels­wei­se nie ver­ste­hen, war­um gute Ideen und ein­ge­führ­te Mar­ken nach Jah­ren ein­fach über Bord gewor­fen wer­den. Der Ein­sturz des Köl­ner Stadt­ar­chivs hat­te da viel Symbolisches.

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Rüdi­ger Schmidt-Sodingen

Bekommt man als Film­kri­ti­ke­rIN nicht nach eini­gen Jah­ren ein sehr moto­ri­sier­tes und abge­klär­tes Ver­hält­nis zum Medi­um Film? Wenn nein: Wie schafft es das Medi­um, immer und immer wie­der aufs Neue zu begeistern?
Ich glau­be, es hat viel mit dem Her­zen zu tun. Solan­ge man emp­find­sam bleibt, kann man sich einem Film gar nicht abge­klärt wid­men. Selbst die schlimms­te Main­stream­kla­mot­te kann eini­ge wun­der­ba­re Momen­te haben. Ich hal­te es da mit René Clair, der mal gesagt hat: „Fünf her­aus­ra­gen­de Minu­ten in einem 90-minü­ti­gen Film sind genug, um die Hoff­nung aufs ech­te Kino auf­recht zu erhalten.“

War­um habt ihr damals beschlos­sen im Rah­men unse­res Fes­ti­vals einen Preis zu vergeben?
Der Kurz­film lag uns schon immer am Her­zen. Von Beginn an hat­ten wir mit choices eige­ne Kurz­film­aben­de und glaub­ten an die Erneue­rung des Medi­ums Film durch den Nach­wuchs, der sich ja in Kurz­fil­men aus­pro­biert und nach neu­en Mög­lich­kei­ten sucht. Den Nach­wuchs zu bestär­ken, ihm Mut zu machen, ist ganz klar das Schöns­te, was man tun kann.

Wel­che Bedeu­tung hat die Köl­ner Kurz­film­sze­ne, etwa mit ihren Hoch­schul­pro­duk­tio­nen, für die Köl­ner Film­sze­ne insgesamt?
Die Kurz­film­sze­ne hat­te schon immer eine gro­ße Bedeu­tung für Köln und das Film- und Kino­ge­sche­hen. Vie­le gro­ße Regis­seu­rin­nen und Regis­seu­re haben hier in Köln gear­bei­tet oder hier ihre ers­ten Wer­ke vor­ge­stellt. Und natür­lich sind die KHM und die IFS wei­ter ein unglaub­li­cher Talen­te-Pool. Sie ver­ste­hen es zudem, die Wer­ke ihrer Stu­den­ten wirk­lich bekannt zu machen.

Hast Du, oder habt ihr unser Fes­ti­val schon mal besucht? Wenn, ja — gibt es eine schö­ne Anekdote?
Ich bin jedes Jahr beim Fes­ti­val dabei. Die schöns­ten Momen­te sind immer die, wo ein Film dich eis­kalt erwischt. Das heißt, das The­ma oder eine Sze­ne erzäh­len so viel vom wirk­li­chen Leben, das man völ­lig gebannt und begeis­tert ist. Und da merkt man dann, dass die Kunst der ein­zig mög­li­che, huma­ne Kampf für die Wahr­heit ist.

KFFK zu Besuch bei Fin­der TV

By Festival, Interview, Preisstifter*innen, Filmszene

Jedes Jahr taucht er schein­bar wie aus dem nichts auf unse­rer Preis­ver­lei­hung auf, gewis­sen­haft und selbst­ver­ständ­lich schüt­telt er Hän­de auf der Büh­ne, lächelt, über­gibt sei­nen Preis. Dann ist er wie­der ver­schwun­den, bis zum nächs­ten Jahr. Wir möch­ten es end­lich wis­sen: Wer ist die­ser Tho­mas Fin­der eigent­lich, der die­ses Jahr bereits zum vier­tem Mal ohne zu mur­ren unse­ren Publi­kums­preis im Köl­ner Fens­ter stif­tet? Wir ver­ab­re­den uns an einem schwü­len End­som­mer­tag in den Geschäfts­räu­men des Fin­der TV-Kame­raver­leihs. „Kame­raver­leih“ – in unse­rer Erwar­tung erstre­cken sich Bil­der einer Tech­nik-Grot­te in der urba­nen Unter­welt, sti­cki­ge Luft, fle­cki­ger grau­er Filz­bo­den – und gibt’s da über­haupt Club Mate?

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Tho­mas Fin­der. Den Ein­gang zu der Fir­ma ziert die­se Lol­li-Samm­lung, an der man sich ger­ne bedie­nen darf!

Aber nein — Tho­mas Fin­der und sei­ne Kol­le­gen wir­ken alles ande­re als arm an Son­nen­ein­strah­lung. Die lich­ten Räu­me in der Deut­zer Arnolds­stra­ße sind  rie­sen­groß, mit Lami­nat­bo­den ver­klei­det, die Küche ist stil­si­cher. Im Kühl­schrank sta­peln sich wahr­schein­lich die Kof­fe­in­halt­li­gen-Wun­der­fla­schen zu einer Pyra­mi­de aus Froh­sinn. Vor 1,5 Jah­ren hat die Fir­ma sich hier nie­der­ge­las­sen. Apro­pos Küche: Über eine Redak­ti­on ver­fügt Fin­der TV auch und arbei­tet seit März für das Sat1-Früh­stücks­fern­se­hen. Ein Laden­de­tek­tiv kommt auf ein Pläu­schen vor­bei, denn die Sat1-Sen­dung „Fahn­dung Deutsch­land“ wird auch von hier mit Ideen belie­fert. Im Kel­ler gibt es ein Post­pro­duk­ti­ons­stu­dio, das unter­ver­mie­tet wird und ein Ton­stu­dio, das – zu unse­rer größ­ten infan­ti­len Freu­de – je nach gewünsch­ter Atmo­sphä­re das Licht verändert!

Hier scheint alles mög­lich, und das hat sich Fin­der wohl auch zum Pro­gramm gemacht. 24 Stun­den tele­fo­ni­scher Not­fall-Ser­vice? Kein Pro­blem! Not­fall­lie­fe­rung nach Flo­ri­da? Machen wir irgend­wie! Beim Dreh wird noch Per­so­nal benö­tigt? Fin­der schickt sei­ne Azu­bis vor­bei! „Man kennt sich, man hilft sich“, sagt er dabei mit köl­scher Manier. Und zum Fes­ti­val: „Wenn jemand beim Publi­kum ankommt, dann hat sie oder er eine Chan­ce ver­dient, geför­dert zu wer­den.“ Sil­via Bor­ges etwa, die 2013 mit Zu dir? auf dem KFFK (damals noch „UNLI­MI­TED“) den Publi­kums­preis gewann, arbei­te­te auch nach der Preisstif­tung mit Fin­der zusam­men. Eine die­ser Arbei­ten, Ein Mann wie ein Baum, ist die­ses Jahr unter ande­rem im Ren­nen des Heart­land Film Fes­ti­vals im ame­ri­ka­ni­schen India­na.  „Ich wür­de ger­ne den nächs­ten Roland Emme­rich för­dern“, sagt Fin­der.  Puh, lie­ber Tho­mas Fin­der — wir geben unser bestes!

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